Jubiläum 1959

Prolog

Aus der Festzeitschrift zum Jubiläum 1959

Es liegt zwischen Dinkel und Glane,
Gebettet in Heide und Moor,
Auf des Nebels silb'riger Fahne
Stolz ragen die Wälder empor.
Über Acker und Wiesen hält schützend die Hand
Gott, segnend mein herrliches Buterland.
Ein Wanderer rastet am Wege,
Schaut Jahre um Jahre zurück.
„In Deine Hände ich lege",
So spricht er mit seligem Blick,
,O Herr, das Werden und das Vergehen der Menschen,
die durch unser Buterland geh'n."
So war's schon vor fünfzig Jahren:
Wenn Felder und Wiesen bestellt,
Dann zogen in fröhlichen Scharen
Die Schützen zum Königszelt.
Vergangene Zeit - im Herzen wird's schwer -
Die Jahre vergehen wie ein Tropfen im Meer.
Doch wie in den alten Zeiten
So soll es bleiben im Land,
Daß Spielmannszüge geleiten
Die Schützen zum Königsstand,
Daß Spiel und Tanz, mit Frohsinn gepaart
Erfreun'n uns nach echter Westfalenart.
Laßi hell drum die Gläser erklingen
Und hebet den goldenen Trank
Und laßt ein Hoch uns ausbringen;
Dem Herrgott gebührt unser Dank
Der uns beschirmt mit segnender Hand.
Erhalte, Herrgott, uns Beckerhook und Buterland!"

Dropmann

Chronik des Vereins

Aus der Festzeitschrift zum Jubiläum 1959

Wenn ich zu unserem Jubelfest die Chronik des Vereins schreibe, dann tue ich es in dem Bewußtsein, das zu bringen, was dem Geiste desselben ent-sprichi. Wir Schützenvereine haben uns weder in politischen noch in gewerkschaftlichen Verbänden zusammengeschlossen. Daraus erklärt sich auch die Tatsache, daß sich aus unseren Reihen Menschen zusammenfanden, die be-strebi waren, die Liebe zur engeren Heimat und die Treue zum Vaterland wach zu halten. Diesen Geist kann man nur in kleinen Gemeinschaften hegen und pflegen, um ihn dann in einen größeren Verband einzufügen.

Der Schützenverein Buterland-Beckerhook kann in diesem Jahre auf seinem alten schönen Standplatz, ohne den sich die Mitglieder ein richtiges Schüt-zenfesi nichi denken können, den 50. Jahrestag seiner Wiedererrichtung begehen.

In früheren Jahren gab es in unserem Bezirk zwei Schützenvereine, und zwar Buterland und Beckerhook. Diese lösten sich jedoch im Laufe der Zeit auf, und man hörte jahrzehntelang nichts mehr von ihnen. Es wurde des öfteren der Wunsch laut, diese alten Vereine wieder aufzurichten. Am Sonntag, dem 13. Juni 1909 wurde durch Herrn Theodor Lammers die erste Gründungsversammlung einberufen und eröffnet. In der nun folgenden Aussprache zeigte es sich, daß sämtliche Anwesende die Wiederherstellung des Vereins wünschten. Jedoch nicht wie in früheren Jahren, daß Buterland und Becker-hook getrennt feiern sollten, sondern beide Bezirke in einem Verein zusam-menzufassen. Es wurde dann der provisorische Vorstand gewählt, der die notwendigen Vorarbeiten übernahm.

Am 20. Juni wurden die ausgearbeiteten Statuten vorgelegt und von der Versammlung angenommen. Hierauf wurde der aktive Vorstand gewählt. Es wurden gewählt als 1. Vorsitzender, Herr Lehrer Eimann; 2. Vorsitzender, Bernhard Lewing; 1. Schriftführer, Johannes Reef; 2. Schriftführer, Hermann Lewing; 1. Kassierer, Gerhard Tenfenne; 2. Kassierer, Lambert Sundag und die Herren H. Doetkotte, J. Lütke-Glane-mann, J. Lammers, G. Assing, H. Tenberge und A. Tenberge als Beisitzer.

In der Versammlung vom 17. Juli teilte der Vorsitzende Herr Eimann mit, daß die Statuten von der Behörde genehmigt seien und der Verein in das Vereins-register eingetragen sei. Es folgte dann die Wahl der Offiziere. Gewählt wurden folgende Herren: Anton Sundag als Oberst, Bernhard Lewing als Major, Gerhard Düsmann und Heinrich Terdenge als Adjutanten, Johannes Lammers und Gerhard Assing als Hauptleute, Martin Skiba und Hermann Lütke-Glanemann als Offiziere, L. Sundag, A. Huke und A. Tenberge als Fahnenoffiziere. Johann Agten als Zeremonienmeister. Das erste Schützenfest wurde am 14., 15. und 16. August gefeiert. Herr Bernhard Terdenge trug als erster König die alte Königskette, die als einzig überiggebliebenes Gut aus dem alten Verein Buterland stammte. Aus dem alten Protokollbuch ist nicht zu ersehen, wie alt die Kette ist und woher sie stammt. Alte Vereinsmitglieder wollen aus ihrer Jugendzeit wissen, daß ihre Väter sie schon getragen haben, jedoch wurden keine Königsschilder angehängt. Mit dem Erringen der Königswürde mußte das Mitglied einen Reichstaler in die Schützenkasse legen.

Die stetige Entwicklung des Vereins wurde im Sommer des Jahres 1914 durch den Ausbruch des Weltkrieges jäh unterbrochen. Am 20. Juni 1920 wurde nach fast sechsjähriger Pause die erste Generalversammlung einberufen. Jedoch infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und der politischen Beunruhigung wurde von einer Feier Abstand genommen.

Es wurde am 12. Juni 1921 wiederum eine Generalversammlung einberufen, in der der Vorstand neu gebildet wurde. Diese Wahl hatte folgendes Ergebnis: Ehrenvorsitzender Hauptlehrer Eimann, Fritz Dropmann 1., Gerhard Agten 2. Vorsitzender, Heinrich Laakmann 1., Heinrich Pieper 2. Schriftführer, Gerh. Gleis 1., Heinrich Buß 2. Kassierer. Beisitzer Bernhard Schulze-Wext, Hermann Freiberg, Johannes Glanemann, Gerhard Gleis II und Wilhelm Subgang.

So konnte denn das erste Schützenfest nach dem großen Weltkriege am 30., 31. Juli und 1. August gefeiert werden. Der Verein hat es sich nicht nehmen lassen, den gefallenen Kameraden zur Ehre am alten Kriegerdenkmal einen Kranz niederzulegen. Der 1. Vorsitzende Fritz Dropmann wies dann noch besonders auf den unwürdigen Empfang unserer heimkehrenden Krieger hin und sein innigster Wunsch wäre, nach Eintritt geordneter Verhältnisse, auf unserem Schützenplatz den gefallenen Vereinskameraden zur Ehre, ein bleibendes Ehrenmal zu errichten.

Anläßlich des 50jährigen Jubelfestes mag von ortsgeschichtlichem Interesse sein, daß der Verein Buterland wohl mehr als 200 Jahre bestanden hat. Dieses geht aus einem Gedicht hervor, das im zweiten Weltkrieg anonym unter die Tür meines Hauses geschoben wurde. Nach langer Umfrage teilte mir Herr Johann Thebelt (1875-1955) mit, daß dieses Gedicht, betitelt

„De Kuckuck up de Tunne satt. . ."
(Das Original liegt bei den Vereinsakten)

anläßlich einer Entrümpelung bei seinem Hause gefunden worden sei.

Im Jahre 1924 wurde die erste Vereinsfahne beschafft. Zu diesem Anlaß wurde unserem damaligen Ehrenpräsidenten, Herrn Hauptlehrer Eimann, eine Ehren-Urkunde überreicht.

Dem Wunsche vieler Schützenbrüder, für die gefallenen Kameraden des Weltkrieges 1914-1918 ein Ehrenmal zu errichten, wurde anläßlich des 25-jährigen Jubelfestes im Jahre 1934 stattgegeben. Auf Wunsch der Parteileitung sollte am Denkmal ein Relief mit dem Emblem des Dritten Reiches angebracht werden. Meiner Bitte, hiervon Abstand zu nehmen, wurde mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters, Herrn Dr. Jansen

Bild von der Einweihung des Ehrenmals, mit KI eingefärbt und verbessert

und des Bildhauers, Herrn Erich Halbach (Schöpfer des Denkmals) unter Hinweis, daß unsere Kameraden nicht für das Dritte Reich gefallen seien sondern für die Monarchie, entsprochen. Auf der Rückseite des Denkmals finden wir die Namen der Gefallenen des 1. Weltkrieges verzeichnet. Anläßlich der Einweihung des Denkmals wurde eine Urkunde, die auf die Zeitgeschehnisse von 1934 hinweist, in einer Granathöhle im Sockel eingemauert. Zum Schluß dieser eindrucksvollen Feier wurde das Ehrenmal in die Obhut der Stadtverwaltung gegeben und dem Schutz der Gronauer Bevölkerung empfohlen.

Im Jahre 1949 konnten wir unser 40jähriges Schützenfest feiern. Die Genehmigung hierzu mußten wir von der Militärregierung einholen. Wir durften in üblicher Weise unser Schützenfest veranstalten, jedoch war das Tragen von Waffen verboten. Was war da zu tun, um seiner Majestät, Hermann III. seine 10jährige Bürde und Würde abzunehmen. Wir erfüllten unsere Pflicht nach dem Schützenlied von Friedrich Schiller

"Mit dem Pfeil, dem Bogen..."

Um unseren Gefallenen des II. Weltkrieges eine würdige Gedächtnisstätte zu schaffen, haben wir das Denkmal um zwölf Ehrentafeln erweitert. Die Haupttafel trägt die Inschrift "Wir sind aus eu'rer Mitte geschieden aber nicht aus eu'rem Herzen, darum vergeßt uns nicht und betet für uns". Wenn wir Jahr um Jahr unser Schützenfest feiern, dann verbinden wir damit jeweils in Besinnlichkeit und Einkehr eine Gedächtnisfeier für unsere gefallenen Kameraden. Wir gedenken der Opfer des 20. Juli 1944 und des 17. Juni 1953. Wir gedenken aller jener, die in der Heimat durch Kriegsereignisse ihr Leben lassen mußten. Nicht zuletzt gedenken wir unserer verstorbenen Mitglieder. In unser Gedenken schließen wir mit ein, unsere Gefangenen und Vermißten.

Unser schönes Ehrenmal, eingebettet in Blumen und Sträuchern, Bäumen und Grünanlagen, soll auch für uns ein Mahnmal sein, das zu tun, was dem Vaterland nützlich ist.

Möge nun der Schützenverein Buterland-Beckerhook auch weiterhin, wie bisher, blühen und gedeihen und seinen Zweck, Liebe und Treue zu Heimat und Vaterland zu pflegen und untereinander Einigkeit, Anhänglichkeit und gegenseitige Achtung zu fördern, erfüllen.

Dropmann

Hier finden sie die Festzeitschrift von 1959 als Galerie zum einfachen Betrachten. Sie könne das Dokument auch als PDF herunterladen.

Festzeitschrift zum Jubiläum 1959